Geschichte

Haushaltsgeräte und einige ihrer Epigonen, Folge 5 + 6

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5. Der Eierpiekser

Das neu renovierte, moderne Apartement ist 36 qm groß und verfügt über Küche und Badezimmer. Die Ausstattung ist luxuriös (TV, Fön, Induktionsherd, Internet, Bidet). Es befindet sich in der zweiten Etage, ist teils ruhig und verfügt über einen Aufzug und Balkon. Ein Parkplatz befindet sich im Hof und kann zugemietet werden (ausgenommen SUV). Das Apartement hat Citylage (West) und befindet sich verkehrsgünstig an der U9 und an der U1. Hier können maximal zwei Erwachsene und zwei Kinder oder aber drei Erwachsene übernachten. Bettwäsche und Handtücher sind vorhanden. Bei längerem Aufenthalt ist gegen Aufpreis eine Zwischenreinigung zubuchbar. Außerdem stehen Kaffee, Tee usw. zur Verfügung. Der Mindestaufenthalt beträgt vier Übernachtungen.
Liebe Gäste, wir hoffen, dass Ihnen unser Internet-Auftritt gefällt und würden uns freuen, auch sie bald als unsere Feriengäste zu begrüßen!

Gästebuch:
War alles perfekt! Hat uns sehr gut gefallen. Wir werden sie weiter empfehlen. Nur der Eierpiekser hat gefehlt (sonst wirklich nichts). Kommen gerne einmal wieder! Conny und Claus K. aus Koblenz.

Mein Eierpiekser ist ziemlich neu. Er stammt von Tschibo-Prozente und war entsprechend günstig. Unten blaues Plastik, drauf mattes Metall, eventuell gebürstet, in, sagt man wohl: edler Optik – und oben, die Nadelöffnung, ist wiederum mit blauem Plastik gefasst. Das Gerät funktioniert gut, soll heißen, wie gewünscht, und mit unwesentlichem Kraftaufwand lässt sich jede Eierschale perforieren. Also, um bei der Wahrheit zu bleiben, ich habe das Gerät bislang nur mit Hühnereiern Handelsklasse A benutzt, wahlweise weiß oder braun. War alles perfekt!

Allerdings weiß ich nicht, wie der Piekser korrekt zu säubern ist. Eine Anleitung fehlt und entsprechende Utensilien oder Mittel lagen dem Artikel nicht bei. Im Allgemeinen muss er natürlich nicht gesäubert werden, ist das Gerät doch wenig schmutzaffin und steht, wird es nicht gebraucht, im staubabweisenden Küchenbüffet. Kürzlich allerdings – mea culpa – drückte ich beim Anpiecksen ein Ei zu fest auf die Kontaktfläche. Das Ei zerbrach und Eiweiß, Eigelb – der ganze Schmadder –, floss mir über die Hand. und auch in den Eierpieckser hinein floss er, nämlich hindurch zwischen Metall und Plastik und in den Hohlraum, welchen, als Schutz gegen Verletzungen (und vermutlich auch der Hygiene wegen), die Perforiernadel in Einzelmiete bewohnt. Auseinanderbauen ließ sich der Piekser nicht, weshalb ich ihn erst außen herum abwischte und ihn anschließend in eine Schale mit lauwarmem Wasser legte, dem ich zuvor einen Schuss Geschirrspülmittel zugeben hatte.

Hat funktioniert! Und bis heute ist an dem Gerät kein Rost zu sehen, toitoitoi.

6. Der Schaber

Jeder, der Werkzeuge an der Maschine schleift, erzeugt einen Bart, soll heißen, hochstehende Metallfasern, die meist vermischt sind mit etwaigen Schleifpartikeln. Diese fusselbärtigen Fasern bilden sich unmittelbar an der geschliffenen Schneide und müssen mit dem Abziehstein entfernt werden. Normalerweise ist der Bart unerwünscht. Bei Schabewerkzeugen für Holz ist der Bart aber erwünscht, ist er es doch, der schneidet. Und ein scharfer Schaber ist ein Schaber mit scharfem Bart. Er schneidet wie eine ganz kurze, senkrecht stehende Schneide. Je feiner und gleichmäßiger der Bart ist, desto feiner und gleichmäßiger wird er schneiden.

Bewegen sie noch einmal zügig die Schneide über die Scheibe. Es wird ein feiner, kaum sichtbarer Grat entstehen. Befühlen sie ihn mit dem Daumen und, ist er wirklich gut, wird er die Haut zart einschneiden, ohne dass sie davon viel merken. Wichtig: Gefühlt wird quer zur Schneide, nicht längs.

Mit dem Bart können sie die letzten Schnitte an der Innenseite einer Schale vornehmen. Die Qualität der Oberfläche wird so besser sein, als wenn mit einer Röhre gearbeitet wird. Sie werden sehen, sie brauchen dafür gar keine Kraft : streicheln sie die Oberfläche. Sie wird ihnen die Zartheit belohnen und sich perfekt formen. Die abgetragenen Späne werden sehr feine Locken sein, der Neid jedes Mädchens, so wie immer, wenn Holz geschnitten wird, wie Holz geschnitten werden will.

Manchmal ist ein Schaber auch das richtige Werkzeuge für grobe Abtragungsarbeiten, nämlich überall da, wo aufgrund der beabsichtigten Form eine Röhre nicht einsetzbar ist. Zum Beispiel im Inneren von Eierbechern (Stirnholz !) oder im Übergangsbereich von Schalenboden zu Schalenwand. Die Schneidekante des Schabers darf dabei nicht parallel zur Werkstückoberfläche sein, sie muss tangential sein, und entsprechend ist die Abtragung nicht schabend sondern scherend.

Schaber gibt es solche und solche. Früher hatte ich einen Teigschaber, aber der ging kaputt – das Gummiteil flutschte immer von seinem Stiel aus Holz. Vielleicht lag das daran, dass es kein Stirnholz war? Ich weiß es nicht, und ich vermute, das Gummi war minderwertig oder die Verarbeitung oder beides. Als ich das Gummiteil deswegen am Stiel festtackerte, begannen beinahe sofort die Heftklammern zu rosten. Also weg mit dem Krempel. Merke: Büromaterial ist nur selten küchentauglich.

Ein sehr schönes und sehr einfaches Gerät ist der Nudelschaber, vulgo Spätzlesschaber: ein Trapez aus Metall. Die untere Kante ist dünn angeschliffen aber nicht scharf. Auch wenn ich meinen Daumen mit Gewalt dagegen drücke, bleibt die Haut der Daumenkuppe ganz und gar unversehrt, höchstens dass ein roter Striemen zu sehen ist, aber auch der ist kurz darauf verschwunden. Am oberen, schmaleren Ende des Werkzeugs (das so gut als solches zu erkennen ist) windet sich das Metall auf ganzer Länge zu einer Schnecke, wodurch der Schaber sehr gut in der Hand liegt. Das heißt wohl Ergonomie. In diesem Fall: Ergonomie der Kochkunst. Ihre Gäste werden es ihnen danken, und nur äußerst selten entgleitet der Schaber der Schabhand und plumpst in das kochende Nudelwasser. Das ist peinlich, der Schaber jedoch nimmt dadurch keinen Schaden, höchstens wird die Schabhand des Schabenden durch Spritzwasser verbrüht.

Das Gerät korrodiert nicht, geht nie kaputt, funktioniert aufs Beste und wird sie durch seine Zweckdienlichkeit ein Leben lang erfreuen.
Ein Eierpiekser auf einer Gießkanne und ein Spätzlesschaber vor Kochbüchern im Regal

Formschön in jeder Lage – Der Eierpiekser und der Schaber
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)

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