Geschichte

Haushaltsgeräte und einige ihrer Epigonen, Folge 3 + 4

>> Folge 1 + 2

3. Die Kuchenschaufel

Beim Fundamt Mutlangen sind im 1. Quartal des Jahres die folgenden Gegenstände zur Aufbewahrung abgegeben worden:

1 Damenfahrrad, blau (KTM Life)
1 Fahrrad, mintgrün, Marke Jungherz Olympia
1 Mountain Bike, grün
1 Schlüsselbund mit Geldbetrag
1 Kinderjacke, Gr. 152, olivgrün
1 Herrenuhr, Marke Ascot
1 Handy, blau, Marke Motorola
1 Handy, blau, Marke Ericsson
1 Lesebrille
1 Geldbörse, schwarz, ohne Geldbetrag
1 Kinderbuch Mein rotes Bobbycar
1 Kinder-Mountain-Bike, pink, Marke Nevada
1 kleiner Geldbetrag
1 Kuchenschaufel

Meine Kuchenschaufel ist alt. Den Griff, er ist oben in einem Winkel von etwa 40 Grad abgeschrägt, was nicht notwendig ist, was sich aber gut macht, den Griff, ein Elfenbeinimitat, durchzieht auf der Rückseite in Richtung der Schaufel ein Riss, doch passt dieser zum Alter der Schaufel. Der Griff ist aus Bakelit, die Schaufel aus dem Bakelit-Zeitalter, die Schaufelfläche aus Metall – aus welchem Metall, weiß ich nicht; jedenfalls ist es nicht magnetisch. Dass die Kuchenschaufel alt ist, sieht man auch an ihrer schmalen Hebefläche. Nie trug sie Schwarzwälder Kirschtorte, nie Topfenoberscremetorte, sie ist gemacht zum Heben kleiner Keile leichten Sand-, Zwetschgen- oder Apfelkuchens.

In die Kuchentragfläche ist ein umlaufendes Ziermuster eingearbeitet, welches im Zwickel des langgezogenen Herzens in eine recht abstrakt gehaltene Blüte ausläuft. Nur die Oberseite der Schaufel ziert dieses Muster, was zeigt, es handelt sich um kein Luxusobjekt, es handelt sich, selbst bei der Zier, um ein bodenständiges Ding.

Der Bakelitgriff geht über in einen Metallgriff, doch trennt die beiden eine Scheibe, die vermutlich dort angebracht wurde, damit man nicht versehentlich beim Kuchenschaufeln mit den Fingern vom Griff ab- und in den Kuchen hineinrutscht, denn dies wäre Gästen mit gesteigerten Hygieneansichten ein Gräuel, vor allem aber wäre es unelegant und schickte sich nicht. Oder die Scheibe dient als Zierde. Oder als konstruktives Element. Ich nehme an, alle drei Gründe treffen zu, denn so soll es sein, bei elegantem Design.

Kuchen hob diese Schaufel schon lange nicht mehr.

Beim Tortenheber handelt es sich um eine Art Damenimitator, wie man wohl früher sagte. Das trifft die Sache gut, und damit ist alles gesagt.

4. Die Reibe

Thorben Reibe
Deutschland, geboren 28.Mai 1982

Erfolge als Spieler:
Regionalliga Nord: 1× Platz 18 mit VfR Neumünster 1910

Die Karriere – Stationen als Vereinsspieler:
Liga: Regionalliga Nord
Verein: VfR Neumünster 1910
Position: Angriff
Spiele: 31
Tore: 1
Gelb: 7
Gelbrot: 1
Rot: 0

Die Küchenreibe hat ein rechteckiges Profil. Nach oben hin verjüngt sie sich ein wenig, wodurch sanft abfallende Reibeflächen entstehen. – Nennt man diese Grundform einen Keilstumpf? Vielleicht, das würde passen. Das sanft der Reibeflächen bezieht sich auf den Winkel der Neigung. Die Flächen selbst sind rau bis schartig – eine jede der vier Seitenfläche auf ihre eigene Art. Am oberen Keilende der Reibe befindet sich im Halbrund ein Haltegriff, und unten ist sie offen, das ist dann wohl das, was der Lebensmitteltechniker eine Reibeproduktausgabeöffnung nennt.

Die Reibe ist aus Blech. Beschriftet ist sie nicht. Ich glaube sie wurde in Ungarn hergestellt oder zumindest gekauft. Das weiß ich aus zweiter Hand.

Häufig benutzt wurde nur die Fläche vorn. Eigentlich gibt es bei der Reibe kein vorn. Aber ich sage mal vorn, da es ja pragmatisch logisch ist, dass die am meisten benutze Fläche die vordere Fläche ist. Diese Fläche hat 31 annähernd runde Öffnungen und unterhalb davon scharfkantige Wölbungen, die sich nach unten verjüngen, solange, bis sie in die glatte Metallfläche verschwinden. Diese Fläche ist gut geeignet, um Käse in kleine Streifen zu zerschaben, die dann über Nudeln oder Gemüse gegeben werden können, undsoweiter, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wie man so sagt, obgleich gewisse Grenzen gesetzt werden sollten, ihre Fingerkuppen werden es ihnen danken. Seitlich links befinden sich Löcher, geformt wie jene an der Vorderseite, nur dass sie viel kleiner sind – vielleicht für Parmesan? Hinten sind andere kleine Löcher, die man von innen nach außen aus dem Blech gestanzt hat – vielleicht für Parmesan? An der rechten Seite liegen vier leicht schräg von oben nach unten abfallende Schlitze. Wozu diese dienen, weiß ich nicht. Für Parmesan bestimmt nicht.

Die fast ausschließlich benutzte Vorderseite zeigt Spuren des Gebrauchs. Auf dem silbernen Metall sieht man schwarze Flächen. Ob das die korrodierende Wirkung des Käses macht oder die schleifende, scheuernde Bewegung des Spülschwamms – der Fachmann spricht hier von abrasiv –, das kann ich nicht sagen. Mein Kopf sagt es war der Spülschwamm, mein Bauch tippt auf den Käse.

Eine Küchenreibe an einem Zaun und eine Kuchenschaufel nebst Pflanze auf einem runden Kuchenblech

Die Reibe schätzt die frische Luft, die Kuchenschaufel ist eher häuslich und besorgt sich ihren Kick Natur auf andere Art.
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)