Gedichte

Pflicht und Kür (1)

Ein Wochentagebuch in zwei Teilen
13. Kalenderwoche 2020

(1.1)

Noch niemand hat das liebe Leben ums Verrecken nicht verloren,
doch sind von uns nur wenige an einem Pilzgericht gestorben.
Es haben sich schon manche den Magen beim Essen schwer verdorben,
doch alle waren wir vor Geburt an tot und wurden erst geboren.

Alles, alles dreht sich,
und ruhe ich auch, dennoch:
Erde, Mond und Sonne,
Michstraße ums Schwarze Loch.

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Geschichte

Warum der Wels auf dem Rücken schwimmt

Ein unebener Weg hinauf durch den Garten, gepflastert, unbehandelter Naturstein in braun, grau, anthrazit, schmutzigweiß und ochsenblut; aus der Haustür, teils ist sie pudergrün, teils kupferblank, erheben sich, wie im Fluss beim Eisgang, unregelmäßige Formen; davor, auf der Matte : Fußumrisse und Pfeile zeigen die Schritte eines Tanzes, Aufschrift: Immer mit den Füßen voran!, und neben der Matte, links wie rechts, steht so etwas wie eine silberne Thermoskanne. Aber keine Klingel. Eine Regenkette hängt vom Vordach, dahinter an der Wand ein Seil – ein Kletterseil, neonpink und schwarz endet es … in einem Handgriff aus Porzellan? – Ah! Ziehen, und es bimmelt – Glocken, viele Glocken – Almabtrieb. read more / weiterlesen

Geschichte

Drunten am Bach

Unterstinkenbrunn ist getrennt von Mittelstunkenbronn durch, unter anderem, einen kanalisierten Bach, den Mosebach, und dieser ist, seit vielen Jahrzehnten – vielleicht auch viel länger schon, das weiß man mit Sicherheit nicht – schwer bis schwerstens verschmutzt und hoch bis höchstens belastet, woran man, da das Gewässer von altersher die Marktschranke zwischen bischöflicher Domäne und kurherrlichem Allodialgut bezeichnete, welcher später die – mm, äh – Zonengrenze sich zu folgen anschickte, … woran man also aus diesen und anderen Gründen lange nicht rührte, bis man dann sehr spät die Sanierung des Schadgewässers in Angriff nahm, dies jedoch nur, da die Hauptverursacher der Verschmutzung, eine Kalihütte hie, eine Kreuzkümmelölmühle da, beide infolge der Wiedervereinigung sowie der Veroffshorung der schweren und schmutzigen Gewerke, soll heißen: Gewerbe, Bankerott gegangen und abgewickelt worden waren, bis auf den letzten Fitzel Zwirn. read more / weiterlesen

Sonstiges

Schmirgel à la daube in Nachtjacke (Köselgebiet/a.Pü.)

Man nehme: Drei Eier, getrennt und einen Schläger für den Schaum. Den Schnee gepulvert in die vorgefettete Barkarole. Diese randdicht mit Topfen abdecken, lichtig mit Briesel bestäuben und dann auf Stufe drei (bei zehn Minuten Vorspann) in den Vocoder, untere Programmschiene, Oberlicht angelehnt – Weckzeit 40 bis 50 Minuten, alle zehn Minuten behutsam postwenden. Den Grad der Pampigkeit testet man am besten durch das intervallige Einführen eines Schaschliksticks. read more / weiterlesen

Gedichte

Der Hannah Arendt-Übersetzungs-Challenge

Nein, es geht nicht darum, Hannah Arendt zu übersetzen. Vor einiger Zeit stieß ich im New Yorker auf einen Aufsatz Arendts über W.H.Auden. Sie geht darin unter anderem auf eines ihrer Lieblingsgedichte ein, Audens If I Could Tell You (hier eine Aufnahme von Auden und hier der Text).

Arendt schreibt: „The very untranslatability of one of Auden’s poems is what, many years ago, convinced me of his greatness. Three German translators had tried their luck and killed mercilessly one of my favorite poems, If I Could Tell You.” Die Namen der drei Übersetzer finden sich in der deutschen Fassung des Aufsatzes: Hans Egon Holthusen, Kurt Hoffmann und Georg von der Vring.

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Gedichte

Was fehlt

Löchrige Cocktailschirme,
Oliven pflatschen ins Glas,
höckrige Fernsehtürme,
Glöckner mit Gardemaß,
Entzündung der Sehnenscheide löschende Tastaturen,
Reality TV-Formate mit Trickfilmfiguren,
selbstwienernde Bäder,
man reicht ihnen bloß den Schwamm,
sich selbst verschmutzende Räder,
bzw. Bikes mit Kunst-Mountainschlamm.
Endlich einen Kugelblitz sehen, aber nicht sterben,
einen Lottogewinn einfahren und gleichzeitig erben.
Nicht die Welt bedeutende Bretter,
Blitzlichtschönwetter.

Mehrere Bretter, an eine Hauswand gelehnt.
Unbedeutende Bretter. Foto: Martin Bartholmy
(Eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier.)