Geschichte

Haushaltsgeräte und einige ihrer Epigonen, Folge 1 + 2

1. Der Schaumlöffel

Anette Schaumlöffel, Jahrgang 1968, wuchs im Schatten des Odenbergs auf. Während des Studiums der Germanistik spezialisierte sie sich auf Eilhart von Oberge, beschäftigte sich daneben jedoch auch mit vergleichender Sagenforschung, mit der Odinologie sowie den Versepen des jungen Arnhelf von Dingolfing, von denen sie eine erste, nach wie vor gültige Edition besorgte. Von Kassel nach Köln ausgewandert, arbeitete sie nach dem Examen anfangs als technische Redakteurin bei einem internationalen Hersteller für Overlock-Näh- sowie Raschelmaschinen, schrieb nebenher aber bereits erste Werke. Seit dem Erfolg von Othburgs Vermächtnis ist sie als freie Autorin tätig. Ihre fantastischen Geschichten schreibt sie vorzugsweise in den frühen Morgenstunden, und verbringt den Rest des Tages inspirationsbedingt mit einsamen Spaziergängen in der Umgebung ihrer Mühle nahe Overath.

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Mein Schaumlöffel wurde wahrscheinlich im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts geboren. Wo er hergestellt oder gekauft wurde, weiß ich nicht, auch nicht den Preis. Es gibt Schaumlöffel für 50 Euro. So viel hat meiner nicht gekostet. Der Griff ist an die gebogene, gelochte Fläche gelötet. Das Ganze besteht vermutlich aus Eisenblech über welches nach dem Lochen undsoweiter ein glänzender Überzug gegeben wurde – vielleicht im Tauchbad, vielleicht per Elektrolyse. Oder ist das ein- und dasselbe? – Der Schaumlöffel liegt gut in der Hand. Die Löcher fühlen sich, fährt man mit der Fingerkuppe darüber, glatt an – keine Grate.

Benutzt wird der Schaumlöffel um selbstgeschabte Spätzle aus dem kochenden Wasser zu heben, etwas über der Spüle abzuschwenken und sie dann in eine Schüssel zu legen. Dabei hat er immer tadellos funktioniert. Neben den Lötstellen, dort wo das Lange ans Runde andockt, hat sich etwas Fettschmadder festgesetzt. Das liegt daran, dass der Schaumlöffel an dieser Stelle schwer zu reinigen ist. Sollte ich es vielleicht mit einer Zahnbürste versuchen, mit einem Zahnstocher?

2. Der Schneebesen

Ob Dixieland, Swing oder Mr. Acker Bilk – die polnischen Publikumslieblinge der Nowy Orlean Kompany verfügen über ein breites Repertoire. Ein festes Programm gibt es nicht, vielmehr gehen die Musiker jeweils ganz individuell auf Atmosphäre und Publikum ein. Im Jazz-Zelt in Schilksee konnten die Künstler ihre Zuhörer am Montag durch heiße Rhythmen mitreißen. Ihre Freude an der Musik überträgt sich sofort und bringt selbst Jazz-Muffel zum Mitwippen.

Die Kieler Woche ist bekannt in Polen, erzählt Julia Kramer, die Koordinatorin des polnischen Pavillons auf dem Internationalen Markt. Kein Wunder, dass die Tonkünstler immer gerne nach Kiel kommen – in diesem Jahr zum dritten Mal. Manager Jakub „Jacky? Blaszczykowski sagt: Besonders gut gefällt uns an der Kieler Woche die Begegnung mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und das Jammen mit anderen Playern.

Seit elf Jahren spielt die Combo um Bandleader Krzysztof Zaremba Swing-Jazz und Dixieland. Das Ensemble setzt dabei nicht allein auf herkömmliche Instrumente wie Trompete (Jakub Marszalek), Klarinette (Rafal Kubale) oder Bass (Mariusz Gajdziel), denn Drummer Piotr Soroka weiß die Zuhörer zu überraschen indem er ihnen zeigt, dass Waschbrett und Schneebesen nicht nur zum Waschen und Kochen taugen.

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Ich besitze zwei Schneebesen, einen mittelgroßen und einen großen. Beide scheinen aus der selben Serie zu stammen. Allerdings steht nur auf dem großen Schneebesen hinten auf dem Griff eingeprägt Justinus 18.10. Eine Bibelstelle – ich habe nachgesehen – ist das nicht, und beim kleineren Schneebesen ist die entsprechende Stelle blank.

Schneebesen benutze ich fast nie, was schade ist, denn sie sind sehr schön anzusehen und liegen gut in der Hand. Das ist auch der Grund, warum ich zwei Schneebesen besitze. Eines Tages dachte ich beim Einkaufen: Ach, wie schön, ein Schneebesen. Der alte Schneebesen aus dem schwedischen Möbelhaus ist seit Jahren defekt – immer springt ein Draht aus dem Griff, dem Griff aus hässlichem Holz … und ich griff zu und kaufte mir den wirklich sehr schönen Schneebesen aus Metall.

Einige Wochen später beim Einkaufen, dachte ich: Wie war das noch gleich? Wollte ich mir nicht einen Schneebesen aus Metall kaufen? – Sofort stimmte ich mir zu, schüttelte mir im Geiste die Hand und kaufte mir einen Schneebesen. Zuhause merkte ich, dass ich schon einen neuen Schneebesen hatte. Wäre ich jetzt zu zweit gewesen, hätten wir sicher sehr darüber gelacht. Ich war aber allein, beließ es bei einem Schmunzeln und legte den neuen Schneebesen neben den fast neuen Schneebesen in die Küchenschublade.

Ein Schaumlöffel und zwei Schneebesen im Freien, dekoriert mit Plastikpflanzen

Schaumlöffel und Schneebesen beim gemeinsamen Picknick
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)

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