Gedichte

Pflicht und Kür (16)

Ein Wochentagebuch in zwei Teilen
28. Kalenderwoche 2020

>> 27. Kalenderwoche

(16.1)

Wenn alles immer gleich wäre, wärs dann nicht gleich?
Was hinten rauskommt, darauf kommt es an.
Nullsummenspiel.
Fünfe gerade und Arm ab, arm dran.
Hartes Wasser, enthärtet, ist balkenlos weich.

Ich sag dir was:
Einer ist immer der Arsch – warum du?
Ein Dummer findet sich garaniert – warte nur.
Das Leben ist kurz, vorbei ists im Nu.
Puff – und das wars.

Die Vergangenheit gabs, sie plagt uns, ist Zombie.
Die Zukunft ist das, was nicht existiert.
Gegenwart nervt.
Pfeil der Zeit ist Physik, der Kopf gebiert
Teilchen und Wellen und Quark bei Depp und Genie.

Nee, nicht mit mir!
Kann ja jeder komm – ich glaub es geht los.
Verarschen kann ich mir selbst – ich bin bei Kapee.
Ich brauch keine Leiter, bin selber groß.
Dis is mein Bier.

Man kann dann und wann auch ganz anders als im Alltag
eine Tür öffnen, wo keine ist.
Schritt ins Leere.
Ohne Schirm aus dem Haus, auch wenns gießt,
trockene Tücher, Kopf frottiert, besieht man den Ertrag.

Jetzt hör ma zu:
Mach halblang – das Glück gibts nur in klein.
und wenn du im Lotto gewinnst, dann biste bald hin.
Alle wolln was von dir; dich will kein Schwein.
Lass gut sein, du.

Wenn alles immer anders ist … – Ists das nicht eh?
Ähnlich ist ungleich, nur Gleichung kennt gleich.
Komplexität.
Alles fließt – form es, noch ist es weich.
Steht es, dann gehe an Bord und steche in See.

Ich glaub es hackt!
Auf der Nudelsuppe bin ich nicht daher,
und was ich will, weiß ich immer noch selbst am besten.
Hilfst du dir nicht, dann hilft dir keiner mehr.
Bin ich beknackt?

Was lange währt wird endlich gut, vorausgesetzt, man tut es.
Wenn du feste auf die Hupe drückst, dann tutets.

(16.2)

Zahlen, Zahlen – Zahlen, bitte!
eins, fünf, drei-acht in der Mitte
Tote seit März wegen – sie wissen weshalb,
wissen nicht wo, nämlich da wo ich wohn.
Deshalb hier zur Information:
Die Temperatur – angenehm: achtundsiebzig Fahrenheit.
In Celsius? : fünfundzwanzigkommafünf. Die Zeit:
Achtzehn Uhr zwei, heißt two past six p.m.

Sieben, neunzehn, hundertzwo,
achtkommafünf, Null-Null für Klo,
Pi mal Daumen, rote Zahlen,
sieben Grün, drei Blau – jetzt malen.

Zwei mal zwei gleich vier.
Zwei plus zwei gleich vier.
Zwei durch zwei gleich eins.
Zwei minus zwei gleich null.
Summe: neun.
… heißt: drei mal drei,
und drei plus drei gleich sechs,
drei durch drei gleich eins,
drei minus drei gleich null.
Summe: zehn
Doch mal Null? … die Null mahlt alles
klein, so klein, übrig bleibt – nichts.

Ist Alles Nichts?
Nicht alles ist.
Alles ist Nichts.
Alles Nicht-Ist.
Nichts ist alles.
Is alles nix.

Sieben, neunzehn, hundertzwo,
achtkommafünf, Null-Null für Klo,
Pi mal Daumen, schwarze Zahlen,
sieben Gelb, drei Pink – jetzt malen.

Eins ist das Hämmerchen – Kniereflex.
Zwei ist der Kleiderbügel für Einarmige.
Drei, ein Angelhaken für janusköpfige Fische.
Vier, das Sitzelement für Rückgratlose.
Fünf, Rollstuhlfahrer mit Schirmmütze.
Sechs, der Klorollenhalter ohne Papier.
Sieben, futuristischer Franzose mit flûte.
Acht, das fahruntüchtige Nasenfahrrad.
Neun, ein Golfball sekundenverklebt ans Tee.
Zehn – nur mit Hämmerchen ist das Ei zu öffnen,
an sich, für sich ist es nichts,
ist ein Ei wie das Andere,
und erst der Zahn des Hämmerchens
lässt aus dem Ei die Zahl entschlüpfen,
ein Kleiderbügel, ein Angelhaken,
ein Sitzelement, ein Rollstuhlfahrer,
ein Klorollenhalter, ein futuristischer Franzose,
ein fahruntüchtiges Nasenfahrrad, ein Golfball mit Tee,
ohne sie
ist das Ei
olemattomuus, neind,
asgjë, nüscht.

Zahlen, Zahlen – Zahlen, bitte!
Wie viele Rechenschritte
sind nötig um Wurzel aus zwei
umzurechnen in drei
Komma eins vier eins fünf
neun zwo sechs fünf drei
und so wei

Drei gelbe Poller vor einer Betonwand mit Gaszähler sowie ein oranges Hütchen

Kellnerschicksal ist es, tagein, tagaus mehreren Unbekannten die Rechnung zu präsentieren
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)

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