Gedichte

Pflicht und Kür (14)

Ein Wochentagebuch in zwei Teilen
26. Kalenderwoche 2020

>> 25. Kalenderwoche

(14.1)

Geradeaus erst, dann irgendwie comichaft hochhüpfen, trudeln,
ganz eine deutsche Identität cineastisch hochjubeln, total
gaga etwas dilletantisch irrsinige Clownerien halb testweise
ganz eigentlich dekadent ins Chaos hetzen, trügerisch
gestohlene Elegien darbieten in Choreographien höchster Torheit,
geile Eklogen draufpacken, idiotische Choräle, hinkende Terzinen,
gern etwas Dramatisches, Intensives, Cooles – Hauptsache Text.

Gedichte entstehen durch inniges Chaos, heißt, teils elliptisch.
Geht es denn irgendwie chirurgischer, heller, transparenter? – :
Geradeaus – ein dilletantisch in Choreographie hinkender Text.

(14.2)

Heb deine Arme total
und wink, als sei dir alles egal.
Mir auf der Bühne ist es gleich,
du zahlst Eintritt, ich werd reich.

Wenn ich hier Ich sage,
dann weißt du nicht,
meine ich mit Ich mich,
oder ist das bloß Staffage.

Ist aber fair,
denn dich
kenne ich nicht,
aber dich kennenzulernen, das freute mich –
aber hallo, na klar, sowieso, natürlich, keine Frage – sehr.

Heb deine Arme total
und wink, als sei dir alles egal.
Mir am Mikro ist es wurst,
ich bin knülle, du hast Durst.

Wenn ich hier du sage,
dann weißt du nicht,
meine ich mit du dich
oder bist du bloß Staffage.

Ist aber nur fair,
denn du
bist so klein mit Hut,
aber natürlich finde ichs supergut
– spitze, knorke, geil und hyper -, wenn du meine Bücher kaufst.

Subjekt, Objekt – im Verhältnis läuft da manches schief,
ich schaue in den Sucher, du schaust ins Teleobjektiv.

Eine Autobahnbrücke über ein Bahngleis, davor drei Absperrgitter im Dreieck, darin ein Plastikpoller und vor den Gittern steht ein weiterer und sieht hinein

Subjekt, Objekt – im Verhältnis läuft da manches schief
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)