Gedichte

Frühjahr, vorgeahnt

Der Frühling naht,
am Haus, die Fenster kippen,
und, schwer auf Draht,
sieht man die ersten Kinder wippen.

Nutzlos und kalt
am Heizkörper die Rippen,
am Festerspalt
sieht man die Raucher Kippen schnippen.
Der Schnee wird bald
vergehn wie auf Asphalt
die Zigarettenkippen.

Der Frühling naht,
nun muss man nicht mehr schippen,
und wer malad,
schnupft Heu statt zu vergrippen.

Eine einsame Osterglocke vor dem bröckelnden Beton einer Treppe, rechts davon die weiße Rückseite eines Schilds sowie eine braune Tür, ein braunes Geländer

Grau gilbt, Grau gelbt
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)

Gedanken

Wohnst du, wo du willst, oder wohnst du, wo du musst?

Warum Schwarze und Weiße in den USA nicht zusammenleben

(1) Das Amerika der roten Linien

Früher, das wird vielen bekannt sein, mussten Afroamerikaner in ärmlichen Vierteln leben, sei es, weil es ihnen verboten war, anderswo hinzuziehen, sei es, weil sie, versuchten sie es doch, von einem weißen Mob vertrieben wurden. Bekannt waren diese Elendsgebiete als „das Ghetto“. Diesen Begriff hört man heute kaum noch. Mit den Bürgerrechtsgesetzen der 1960er Jahre fielen viele diskriminierende rechtliche Hürden, und, sollte man annehmen, schwand auch die Trennung der Wohngebiete nach Rasse – denn weshalb sollte sie weiter bestehen? read more / weiterlesen

Geschichte

Das Haus in der Höhe (3)

Martin Bartholmy: Das Haus in der Höhe (Roman)
580 Seiten, gebunden, 28 Euro
ISBN: 978-3-7526-0492-4

Ein Auszug aus Kapitel 26 (Text und Audio)

<Der Sturm>

Kleine feuchte Tapser fangen auf jeder Stufe das Licht der Lampen. Tageslicht seit Tagen keines; im Bullauge der Tür am Treppenende schwappt dunkelgraue Suppe.
Gerhild ist schlecht. Heute ists ein besseres Schlecht im Gesamtschlecht der letzten – wie vielen Tage eigentlich? Besser vielleicht durch Gewöhnung. Durch Abstumpfung wird alles, was nicht furchtbar ist, zu einem Silberstreif. Sie hatte es aufs Deck geschafft, entsetzlich, war nur einmal gestürzt, autsch, das Knie tat weh, das war gut – sie hatte ein Knie und dieses Knie gab ihr eine Einzelheit, an der konnte sie sich festhalten, weil sie war anders, als der Einheitsbrei aus Wetter, Wachkoma und Weberschiffchen … endlos raste es hin und her, und die Kettfäden fluppten es wie eine Bogensehne hoch, dann runter, links und rechts und auch das andere Links und Rechts und fluppten es bis tief hinein in die xte Dimension. read more / weiterlesen