(Kapitel 23)
Paderborn
Die Zugbegleiterin kommt. Ich zeige ihr Fahrkarte und Bahncard. Sie mustert letztere, dann mich und sagt: Sehr ähnlich sieht das Foto ihnen nicht.
Ich versichere ihr, ich sei es, und sie lacht: Nur ein Scherz. Aber auf dem Bild sehen sie wirklich vorteilhafter aus.
Wie sie geht, wende ich mich zur Scheibe. In der Tat blicke ich daraus zerzaust zurück. Der Bahnsteigwind hat mein nicht mehr sehr volles Haar gründlich verwüstet, hier liegt zu viel, dort zu wenig. Ich beschließe, den überfälligen Eingriff vornehmen zu lassen.
Nicht lange, und wir sind in Paderborn. Dem Hauptbahnhof gegenüber steht das Arbeitsamt, erbaut im wenig schmeichelnden Stil der 1970er Jahre. Damals begann die Misere, doch noch war genug Geld vorhanden, mit Ämtern als Molen die Wellen des sozialen Wohnungsbaus zu brechen. Neben dem Haus mit dem beinamputierten A stehen eine Apotheke und die Verbraucherzentrale. An einen Ort des Unglücks bin ich geraten: Arbeitslos, krank, belogen und betrogen, dazu dieses Autokennzeichen, schwer und nach unten ziehend: PB, plumm-bumm, plumm-bumm … etwas fällt in einen tiefen Schacht; etwas kommt nie wieder. Auf erste Zeichen soll man hören, aber glauben – glauben braucht man ihnen nicht. read more / weiterlesen
