Geschichte

Sankt Gall

Rot. Rot. Rot. Und kein Grün. Außer für Autos.

Schnorrigel sieht auf die Straße. Er sieht zur Seite, sieht den Knopf und drückt. Der Knopf sagt: Wait.

Er drückt in rascher Folge einmal – zweimal, dreimal, viermal. Der Knopf sagt: Wa-W-W-Wait.

Wieder geht die Hand zum Knopf, aber nun piept es und ist grün, beziehungsweise weiß: Sieben, sechs, fünf, vier, drei und zwei – knapp vor Ende des Countdowns erreicht er die andere Seite der Straße und betritt das Lokal.

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English Gedichte

Capital B

Wasserspiele / Hatchery

Photo: Martin Bartholmy (view hi-res version here)

CAPITAL B

Belgrade
is a state
of being
that is far
behind the times,
be it cars
or be it rhymes.
Belgrade
is not up to date.

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Geschichte

Eine Szene aus sehr alter Zeit

Ror Wolf, Dolf Sternberger und Yaak Karsunke sitzen um einen Tisch.
Sagt Ror: Du, Dolf, warst heuer scho im Zoo?
Sagt Dolf: Ach wo – was Zoo. Ich hab mein inneres Gehege.
Sagt Yaak: Die Tage werden kürzer. So kurz, bald enden sie und sind veraltet.
Sagt Ror: Doch davon später mehr.

Später, die drei Henkelmänner sind gegangen, kommt Gardy Granass und räumt den Tisch ab.
Der Abwasch, sagt sie, der Abwasch hängt natürlich einmal wieder ganz an mir.
Doch diese Mal irrt sie; es kommt anders. Heute springt ihr Adi Dassler bei mit seiner neuen Stollenbürste. Im Spülstein schunkelt das Geschirr. Omo schäumt, Ata gluckst, Pril wundert sich und Vim schaut verdutzt aus der Wäsche.
Später dann geht man nach Balkonien und gießt die Pelargonien im Kasten mit dem guten Nescafé. Kein Wunder, an einem Tag so schön wie heute.

Schnittmenge / Intersection

Foto: Martin Bartholmy (hochauflösende Version hier)

Gedichte

Die Hoffnung schraubt zuletzt

Die Hoffnung schraubt zuletzt
auch noch ein rosa Blech an rosa Balken.
An Land wächst was benetzt
oder beschützt vom Falken,
und draußen, wo die Wellen walken,
im Meer, wie immer Algen.

Rosige Schrauben / Queer Screws

Foto: Martin Bartholmy (hochauflösende Version hier)

Gedanken

Wurzeln, Möhren, gelbe Rüben und Karotten

Wer zu viel über seine Wurzeln grübelt, macht sich zum Gemüse

Ein Essay
von Martin Bartholmy

(1)

Lotta niggas go to prison,
How many come out Malcolm X?
I know, I’m not shit,
Can’t even talk about the rest.
Famous last words: You under arrest.
(The Roots: Tip the Scale)

Ist das, was wir sind, ist das, was uns ausmacht, das heißt, ist unsere Identität etwas Innerliches, ist sie etwas Äußerliches?

Ohne langes Überlegen würden die meisten auf diese Frage vielleicht antworten, dass unsere Identität – oder sagen wir: unser Selbst – innerlich ist, denn geht es dabei nicht um das, was uns im Kern ausmacht, also um unsere Essenz?

Andererseits, tief in uns hineinschauen können nur wir selbst (und auch da gibt es blinde Flecke) – und wird überhaupt unser Selbstbild nicht, viel stärker als durch uns, durch die Anderen um uns herum bestimmt, die uns quasi als Echokammer dienen? Zumal es von diesen Anderen sehr viel mehr gibt, als von uns, und wir uns in den Anderen, wenn nicht erkennen, so doch uns von ihnen anerkannt sehen wollen.

Neger mit geglättetem Haar und Frauen, die Perücken tragen, sind allesamt sehr viel lächerlicher als eine Slapstickkomödie. Man muss sich, sieht man’s, fragen, ob der Neger jeden Begriff von seiner Identität, jeden Bezug zu sich selbst ganz und gar verloren hat.
(The Autobiography of Malcolm X)

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