Geschichte

Haushaltsgeräte und einige ihrer Epigonen, Folge 12

12. Der Spülschwamm und einige seiner Genossen

Ein Spülschwamm, ein frommer Kerl, eben hat er einmal wieder ohne zu Murren seinen Mitbewohnern, den Tellern, Tassen, Schüsseln und dem Besteck, mehr als nur die Füße gewaschen, ein demütiger Spülschwamm wird nach getaner Arbeit gepresst, gebogen, bezupft und gewrungen, dann wird das Müllfach aufgezogen, und noch bevor der Schwamm etwas sagen kann (er kann seinen Mund nicht finden), bevor er seinen Brüdern und Schwestern auf dem Abtropfgestell zurufen kann: Etwas besseres als den Tod finden wir überall, da liegt er im Abfall, im Müll, im Kudder, und nicht viel später findet er sich wieder, treppab, treppab, bei den Tonnen, wo er aber auskommt, und statt in der schwarzen, liegt er vor der gelben Tonne – auf etwas. Was ist das?
Metall. Schmutzig ist es nicht. Könnte aber eine Politur vertragen. Ein Zylinder, eine Tülle. Die Tülle sagt: Guten Tach.
Der Schwamm, nun findet er seinen fussligen Mund, sagt: Oh – hallo. Nanu? – Sehr erfreut.

An den Tonnen klappert es. Dort lehnt etwas, ein Skelett, weiß und schwarz, und dran, wie am Reck, hängt ein silbernes Zwackding, das schaukelt und ist der Klappergrund. Es sagt: Guten Abend, gute Nacht! Wir schaffens, wär gelacht.
Die Tülle sagt: Können sie auch Politur?
Der Schwamm muss verneinen.
Hem-hem, macht die Trittleiter, quietscht mit ihren Scharnieren und klappt auf. Hem-hem, macht sie und sagt: Jetzt mal Butter bei die jungen Pferde! Und also macht man sich bekannt.

Die Trittleiter mit ihren beiden Stufen hat das 25-jährige Dienstjubliäum fast erreicht – und nun dieses Malheur. Eigentlich eine Lappalie: Eine von den vier Gummikappen, welche ihre Füße schützen, ging verloren. Dennoch, versichert sie, von Humpeln könne so gut wie keine Rede sein, und jede Last trage sie wie zuvor. Aber die Kratzer auf dem Parkett! Wie und wo eine Ersatzkappe beschaffen? Und so habe man sie kurzerhand zum alten Eisen gegeben.

Beim Entsafter – er verstand es selbst nicht genau – war irgendetwas mit einem Sieb, und der Nudelzange war man, obwohl sie nur so spiegelte und blitzte und nicht einen Kratzer hatte, überdrüssig geworden, da sie, obgleich nie benutzt, ein ganzes Fach einer Schublade belegte, und in eben dieses Fach sollte nun eine Großfamilie ausländischer Essstäbchen einziehen.

Nach Gehirnsturm und einigem Hin und Her übers Wie, Was und Wohin, sagt endlich der Schwamm – von den Vieren war er am meisten in der Wohnung herumgekommen – sagt also der Schwamm, und dabei lehnt er sich ins Kreuz, so dass sich an seiner Vorderseite die Poren ganz weit öffnen: Wie ich höre, sagt er, gibt es eine Castingshow in Großenkneten – und dort sucht man nach musischen Talenten, putzschwammwringend.

Also gut. Die anderen drei wussten nichts zu sagen, von ihrem jeweiligen Talent aber waren sie überzeugt und, nachdem eine fix anberaumte Jam Session dazu führte, dass man ihnen von einem der oberen Ränge des Hauses einen, wenn auch recht verschrumpelten, Apfel zuwarf, machten sie sich gemeinsam auf den Weg.
Mithilfe der Trittleiter steigen sie auf die Pritsche eines Wagens, ziehen anschließend die Leiter herauf, und, da sich als einziger von ihnen die Saftpresse mit Motor und Strom auskannte, überlässt man ihr das Steuer, eine Aufgabe – erst wurde gestöpselt, dann gehebelt und gekurbelt – welche sie bewältigt, ob mit Bravour oder nur befriedigend, die anderen drei können es nicht sagen, ihnen fehlt der Vergleich, und allein zählt, dass man nach reichlich zwei Stunden Fahrt am Reiseziel ankommt, wo Banner ihnen den Weg zum Fernsehstudio weisen.
Dort hat das Casting bereits begonnen, war das Casting bereits fast vorüber, und in Führung liegt und auf der Bühne steht zum Endausscheid eine Skiffleband, die vielleicht weniger ihrer musikalischen Qualitäten, als wegen ihrer nackigen Waschbrettbäuche die Jury begeistert, war jene doch rein weiblich besetzt, mit Pflaumen, Zwetschgen und Mirabellen.

Nicht zagt unser Quartett, vielmehr stürmt es die Bühne, legt los – und es wäre zu einem Battle der Bands gekommen, einem Battle allerdings mit gewissem Ausgang, hätte der Spülschwamm nicht schlagartig die Lage erfasst und gehandelt : Seine Bandkumpels brummen sich ein, die Spaghettizange ruft: A-one, a-two … da wirft sich der Schwamm auf die Waschbretter, seift sie eines nach dem anderen total ein und bescheuert sie so lange, bis ihre Rippeln völlig verflust und sie unansehnlich sind wie Welse mit Tollwut.

Vom Schwamm ist danach so wenig über, wie vom Sex Appeal der Skiffleband, und für Trittleiter, Nudelzange und Entsafter ist es ein Leichtes, als Trio den Wettbewerb zu gewinnen.

Der Rest ist Geschichte.

Trittleiter, Entsafter, Spaghettizange und Spülschwamm
Viere kommen durch die ganze Welt (vom Abrieb abgesehen)
Foto: Martin Bartholmy (eine hochauflösende Version dieses Bildes gibt es hier)