Über Zeilen, Gedichtzeilen und Titel kann man auf verschiedene Art stolpern. Die Erinnerung ist da, doch das Vermögen, sich zu erinnern, woher eine Erinnerung kommt, hinkt der eigentlichen Erinnerung schwer hinterher. Besonders ausgeprägt ist dieses Missverhältnis dann, wenn es um gefügte Sprache geht – Slogans, Parolen, die catchy sind, Songzeilen und Gedichtfetzen. So ergangen ists dem Duo, das macht, was Duos tun sollen, Katz und Goldt. Zu Beginn ihres Comicbands Adieu Sweet Bahnhof von 2004 schreiben sie: read more / weiterlesen
Die Geschichte stottert
Die Mekons gibt seit 1977 – und sie machen immer noch Neues. Die Hälfte der acht britischen Musiker wohnt lange schon in den USA, und von der Band leben konnten sie nie. Der überschaubare Erfolg und die Arbeit in der Gemeinschaft macht die Mekons so beständig und gut. Von Martin Bartholmy.
(Dieser Artikel erschien zuerst in der Wochenendbeilage, der jungen Welt vom 10./11. Mai 2025) read more / weiterlesen
Gesichter und Gesichte
Eine Restmülltonne auf der Streuobstwiese,
ein Schemel in der Laube,
Fugenvegetation zwischen Straßenbegleitgrün,
was ich seh und was ich glaube.
Ein Mantarochen im Steinhuder Meer,
ein Hausschuh in der Moschee,
Selbstklebeetikette auf Datenpaketen,
was ich glaube und was ich seh. read more / weiterlesen
Die Königin kehrt heim
(Diese Erzählung erschien zuerst am 5. April 2025 in der Wochenendbeilage der jW)
Am zweiten Tag beim Frisör begann das Ganze Form anzunehmen. Die vielen dünnen, gestern geflochtenen Zöpfchen wurden geprüft, gestrafft, hier und da nachgearbeitet, ein paar aufgedröselt und neu gemacht. Dann, es war später Nachmittag geworden, lagen sie eng am Kopf, feine Reihen fest geflochtener Garben, hier und da mit Farbeinschlag, blau oder gelb. Noch eine Retusche, da und dort, da und dort noch ein Schnipp um einzelne aus der Reihe tanzende Haare zu tilgen, und schließlich saß es, saß alles. Für diesen Durchgang, diesen Schritt. Morgen dann das Styling. read more / weiterlesen
Für zehn Pfund am Tag
Glanz des Scheiterns: Von allen Pechvögeln, die niemals Popstar wurden, ist der Londoner Musiker Lawrence der genialste.
Von Martin Bartholmy
(Dieser Text erschien zuerst am 8./9. Februar 2025 in der Wochendbeilage der jungen Welt.)
Ein Popstar ist ein Star, weil er ist bekannt. Wie misst man Bekanntheit? Chartpositionen, Download- und Verkaufszahlen können Hilfsmittel sein. Doch zum Popstar gehört Glamour, und Glamour ergibt sich wie? Bei Irmgard Keun liest man: „Ich will so ein Glanz werden, der oben ist. Mit weißem Auto und Badewasser, das nach Parfüm riecht, und alles wie Paris. Und die Leute achten mich hoch, weil ich ein Glanz bin …“ read more / weiterlesen
