Gedichte

Streifen schwarz, Streifen weiß, Reifen und ein Kreisverkehr

Wie mancher schon an einen Zebrastreifen trat
und sagte: Straße, oh, hier überquer ich dich!,
und dann, als es im Ernst ans Überqueren ging,
verließ der Mut ihn, sah er erst die Autos alle,
die ungebremst und volle Kanne brausten,
dass ihn der Schreck erfüllte – wie manchem so
ging es auch ihr, sie zögerte, suchte die Lücke,
doch um die Kurve kamen viele viel zu schnell read more / weiterlesen

Geschichte

Pferdepost und andere Karten

… und dann, sagt Schermau, dann ist dir ein Licht aufgegangen?
Nein, nein, sagt Hollustek: Das Licht, das war später. Ich würde es einen Schimmer nennen, ein …
Gestatten? … und da die Herren sitzen bleiben, zieht sie den Stuhl vom Tisch, wobei die Metallbeine, ihrer durchgeschabten Gummikappen wegen, über den Waschbeton schrappen.
Gesine, sagt Schermau und schiebt ihr die Postkarte hin: Sag, was siehst du da? Als Frau?
Ich, lieber Heinrich, sagt sie, ich sehe ein Pony – um genau zu sein, ein Shetlandpony.
Wie, sagt Hollustek, ich denke du bist Geografin. Was weißt du von Pferden?
Frau Schermau schüttelt den Kopf, sagt: Ich bin Pensionärin, erstens, und zweitens ist das kinderleicht. – Sie pfeift vierfingrig, und aus dem Garten rennt ein Mädchen auf die Terrasse und hin zu ihrem Tisch. Der zeigt sie die Postkarte und sagt: Was, Mila, siehst du da? Und die Enkelin sagt: Ist ja wohl voll das Shetlandpony. Ist mir aber zu strubbelig. – Weg ist sie. Hinter Büschen schwingt an der Kastanie das gelbe Seil und mehrere Stimmen kreischen.
Naa gut, sagt Hollustek: Hätten wir das auch geklärt. Das alte Klischee von wegen Mädchen und Pferde, es lebt und es gedeiht. read more / weiterlesen

Geschichte

Im Wald keine Räuber

Da läuft einer, läuft los und wird überfahren, und es gibt keinen Auflauf, keinen Krankenwagen, nichts. Was ist los?

Aber vielleicht muss man, ums zu verstehen, beginnen mit der Straße. Oder, besser, wir beginnen mit dem Wald. Durch den Wald führt erst keine Straße. Und dann ist eine da. Das kommt vor, Zeit und Veränderung. Aber, was für ein Wald war das, was für ein Wald ist das? Danach war er nicht mehr der selbe wie zuvor. Immer noch leben in ihm die Bäume, richtig, gibt es die Jahreszeiten, auch bei den Insekten hat sich nicht viel getan, und die insektenverputzenden Vögel fühlen sich in ihm wohl, so oder so. Mit Ausnahme des Eichelhähers. Dazu später. read more / weiterlesen