Gedichte

Hin und weg

(1) Tuten und Blasen

Der Tisch ist leer,
die Tafel rasiert,
die Butter noch nicht aufs Brot geschmiert,
die Butter noch gar nicht erfunden.
Ohne Minuten, was wären die Stunden?

Das Haus ist kahl,
der Hof verschlossen,
die Träume noch nicht ins Kraut geschossen,
die Träume noch uninterpretiert.
Ohne Ecken, was wär ein Geviert? read more / weiterlesen

Geschichte

Davor ist danach nur anders

Die Fredl-Fesl-Phalanx und Verwandte verschollener Art.
Eine Erzählung in Aufgesang, Vorrede, Nacherzählung und Abgesang

Aufgesang

Mein Hut hat eine Ecke,
eine Ecke hat mein Hut,
und hätt er nicht eine Ecke,
dann hing er nicht so gut
an der Huthaltestange,
eckenlos wär er absolut
nur ein Hut, ein Hut von der Stange,
ein Kopfbedeckattribut.

Vorrede

Die Fredl-Fesl-Phalanx für redliches Wurzelgemüse schreibt sich (selbst) ohne Bindestrich. Die Fredl-Fesl-Phalanx-Fremden wissen das nicht, sie bindestricheln. Auch in der Fredl-Fesl-Phalanx (selbst) wirds falsch gemacht. Das wurmt die Oberen, obgleich die Oberen sehr dafür sind, den Namenszusatz wegzulassen. Sie nennen das Brandmarktung, heißt, der Name soll für sich (selbst) sprechen. Außerdem: Auf das x von Fredl-Fesl-Phalanx folgt ein gGmbH. Eigentlich. Die Eigenen lassens weg – es klingt schofel. Die Anderen lassens auch weg – seis aus Faulheit, seis aus Ignoranz oder weils korinthenkackerhaft wirken könnte. Ein kleines g vor großem G, wie sieht das aus. read more / weiterlesen

Gedichte

Streifen schwarz, Streifen weiß, Reifen und ein Kreisverkehr

Wie mancher schon an einen Zebrastreifen trat
und sagte: Straße, oh, hier überquer ich dich!,
und dann, als es im Ernst ans Überqueren ging,
verließ der Mut ihn, sah er erst die Autos alle,
die ungebremst und volle Kanne brausten,
dass ihn der Schreck erfüllte – wie manchem so
ging es auch ihr, sie zögerte, suchte die Lücke,
doch um die Kurve kamen viele viel zu schnell read more / weiterlesen

Geschichte

Pferdepost und andere Karten

… und dann, sagt Schermau, dann ist dir ein Licht aufgegangen?
Nein, nein, sagt Hollustek: Das Licht, das war später. Ich würde es einen Schimmer nennen, ein …
Gestatten? … und da die Herren sitzen bleiben, zieht sie den Stuhl vom Tisch, wobei die Metallbeine, ihrer durchgeschabten Gummikappen wegen, über den Waschbeton schrappen.
Gesine, sagt Schermau und schiebt ihr die Postkarte hin: Sag, was siehst du da? Als Frau?
Ich, lieber Heinrich, sagt sie, ich sehe ein Pony – um genau zu sein, ein Shetlandpony.
Wie, sagt Hollustek, ich denke du bist Geografin. Was weißt du von Pferden?
Frau Schermau schüttelt den Kopf, sagt: Ich bin Pensionärin, erstens, und zweitens ist das kinderleicht. – Sie pfeift vierfingrig, und aus dem Garten rennt ein Mädchen auf die Terrasse und hin zu ihrem Tisch. Der zeigt sie die Postkarte und sagt: Was, Mila, siehst du da? Und die Enkelin sagt: Ist ja wohl voll das Shetlandpony. Ist mir aber zu strubbelig. – Weg ist sie. Hinter Büschen schwingt an der Kastanie das gelbe Seil und mehrere Stimmen kreischen.
Naa gut, sagt Hollustek: Hätten wir das auch geklärt. Das alte Klischee von wegen Mädchen und Pferde, es lebt und es gedeiht. read more / weiterlesen